Von der TOTENMESSE zum DEUTSCHEN REQUIEM von Johannes Brahms (2)

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Besonders die Dies-Irae-Sequenz (die plastische Schilderung vom Jüngsten Gericht mit Hölle und Fegefeuer) regte zu opernhaft-dramatischen Gestaltungen an, die für reichlich Gänsehaut bei den Zuhörern sorgte. Berühmtes Beispiel in diesem Zusammenhang dürfte das Requiem von Giuseppe Verdi sein, das man oft auch als „Verdis schönste Oper“ bezeichnet hat….

Zeitgleich begannen Komponisten im deutschsprachigen Raum „Deutsche Requien“ zu schreiben, die nicht mehr auf der lateinischen Totenmesse basierten (Schubert Deutsches Requiem, Schumann Requiem für Mignon….).

Als Johannes Brahms anfing sich mit der Komposition eines eigenen Requiems zu beschäftigen folgte er einer geistigen Strömung seiner Zeit: Der Glaube der Menschen an „Hölle und Fegfeuer“ und die Identitätsbeziehung zwischen „Tod, Leid und Sünde“ begann zu schwinden. Aus dem „Anonymen Tod“ wurde der Tod eines Menschen, dem man nahestand. Der Schmerz über die physische Trennung wurde jetzt gerne „pathetisch“ nach außen getragen und gleichzeitig wusste man, dass der „Andere“ erlöst war. Für Liebende bestand darüber hinaus die Möglichkeit sich wieder zu vereinen. Der Zeitgeist entdeckte die „Schönheit des Todes“ – und war fasziniert davon…

Brahms beschritt mit seinem überkonfessionellen Requiem nun einen ganz neuen Weg: Er wählte selbst verschiedene Stellen aus der Bibel und thematisierte mit diesen Texten den Dualismus von Tod und Leben (nach dem Tod), Trauer und Trost, Vergänglichkeit und Verklärung. Durch diese Textauswahl in Verbindung mit der musikalischen Gestaltung schuf er einen Spannungsbogen, der von stiller Trauer über dramatische Todes- und Vernichtungsangst hin zu Trost und Zuversicht führt.