Johannes Brahms – Hintergründe zu seinem Werk „Ein deutsches Requiem“

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Am 14. April 2019 (Palmsonntag) wird der STUTTGARTER ORATORIENCHOR eines der berühmtesten und wichtigsten Chorwerke der romantischen Literatur aufführen: Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms.

Zum ersten Mal hat der Chor dieses Werk übrigens am 13. Dezember 1880 in der Stuttgarter Stiftskirche unter seinem Gründer und Leiter, dem Stiftskantor Immanuel Faißt aufgeführt – und gleichzeitig mit dieser Aufführung für eine Premiere dieses epochalen Werks in der Landeshauptstadt gesorgt.

Mit kurzen Beiträgen bis zur Aufführung am Palmsonntag 2019 möchten wir Sie – von Zeit zu Zeit – über interessante Details zur Werkgeschichte dieses besonderen Requiems informieren.

Ein deutsches Requiem – DREI Uraufführungen

Heute kennen wir das „Brahms-Requiem“ als Werk mit sieben (heilige Zahl!) Sätzen. Der Entstehungsprozess der Komposition verlief aber keineswegs so „gradlinig“, wie man zunächst annehmen könnte. Brahms komponierte sein Requiem in Abschnitten über viele Jahre hinweg – und so kommt es, dass dieses berühmte Werk der Öffentlichkeit in „drei Anläufen“ vorgestellt wurde.

Uraufführung 1:

Anfang Dezember 1867 führte der „Wiener Singverein“ bei einem Konzert der „Gesellschaft der Musikfreunde“ im „großen Redoutensaal“ die Sätze I – III in Wien auf. Der Geiger und Brahms-Freund Joseph Joachim berichtet in einem Brief an seine Frau von dieser Erstaufführung der drei Anfangssätze des Requiems: …das Publikum habe „mit Theilnahme“ zugehört, „eine kompakte kleine Partei“ sogar „mit Weihe und Enthusiasmus“, während „einiges zischendes Gesindel […] den Sieg nicht erringen konnte“. Der Beifall habe so lange angehalten, bis Brahms „vom Saal über die Treppe in’s Orchester“ gekommen sei. Ein Problem der Aufführung, die vom legendären Kritiker und Ästhetik-Professor Eduard Hanslick insgesamt durchaus positiv rezensiert wurde, war, dass der Paukist beim langen Orgelpunkt der Schlussfuge von Nr. 3 („Der Gerechten Seelen“) viel zu laut spielte.

Uraufführung 2:

Am 10. April 1868 (Karfreitag) fand dann die Uraufführung der Sätze I – IV  und (nach späterer Zählung) VI – VII im Bremer Dom statt. Johannes Brahms selber dirigierte den Chor des Bremer Doms, der die 6 Sätze des Requiems unter seinem Leiter, dem Domkapellmeister Carl Martin Reinthaler, einstudiert hatte. In dieser Aufführung wurden nach dem dritten Satz des Requiems fünf andere Stücke eingefügt (Violinsolo von Joseph Joachim, „Erbarme dich“ aus Bachs Matthäus-Passion und aus Händels Messias „Seht, das ist Gottes Lamm“, „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ und „Halleluja“). Der bei diesem Konzert noch fehlende fünfte Satz wurde erst danach eingefügt, wobei die Ansichten darüber, wer die Ergänzung angeregt habe, auseinan- dergehen. Reinthaler wird ebenso genannt wie Brahms’ alter Lehrer Eduard Marxsen.

Hinzufügung des V. Satzes

Nur wenige Wochen nach der Bremer Aufführung komponierte Brahms – vielleicht auch unter dem Eindruck seiner jüngst verstorbenen Mutter – einen weiteren Satz, bei dem der Solo-Sopran eine tragende Rolle spielt. Dieser Satz, der später im Werk an die fünfte Stelle rückte, wurde am 17. September 1868 in einer privaten Aufführung in Zürich zum ersten Mal präsentiert.

Uraufführung 3:

Das vollständige Werk mit allen sieben Sätzen, wie es der STUTTGARTER ORATORIENCHOR aufführen wird, erlebte am 18. Februar 1869 seine Uraufführung im Leipziger Gewandhaus.

Gleichsam eine „Vor-Premiere“ hatte es bei einer privaten Aufführung allerdings bereits am 3. Januar 1869 in Dessau gegeben: Lediglich vom Klavier begleitet sang – so berichtet es der Brahms-Freund Adolf Schubring – ein kleiner Chor mit Solisten das „Deutsche Requiem“.

Seit der umjubelten Leipziger Uraufführung gehörte der gerade 35-jährige Brahms mit einem Schlag zu den führenden deutschen Komponisten seiner Zeit. Und der schwer zu begeisternde Musikkritiker Eduard Hanslick urteilte:

Seit Bachs h-Moll-Messe und Beethovens Missa solemnis ist nichts geschrieben worden, was auf diesem Gebiete sich neben Brahms’ deutsches Requiem zu stellen vermag.