Kontakte. Korrespondenz. Konzertreise (2)

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Fortsetzung des Reise- und Konzertberichtes:

Dann wurde es ernst. Dank der klangvollen Übersetzung unserer Altistin Mariella trug unser Dirigent seine Begrüßungs- und Einführungsrede zur großen Begeisterung des Publikums auf Italienisch vor, und der Chor nahm vor den Stufen des Altars Aufstellung. Mit unseren vier a-cappella Stücken (Bachs „Herr unser Herrscher“, Hasslers „Cantate Domino“, Kleins „Der Herr ist mein Hirte“ und dem berühmten „Locus iste“ von Bruckner) eroberte unser Chor zugleich die Herzen unseres aufmerksamen und emotional sehr empfänglichen Publikums: Herrliche Akustik, einmalige Architektur und schöne Wandfresken ergänzten sich mit den warm und sanft vorgetragenen Chor-Stücken auf ideale Weise. Trotz des anstrengenden Tages (Ausflugsprogramm und lange Nachmittagsprobe!) war der Chor hellwach und bestens disponiert!

Musik verbindet Völker

Gemeinsam mit dem Gastgeberchor und der exzellenten Begleitung durch den italienischen Pianisten Roberto Olzer erklang nun das „Te Deum“ vom gerade 13-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart. Klanglich sehr variabel, präzise artikuliert und mit schönen Tempoübergängen überzeugte das nun auf ca. 60 Mitglieder angewachsene Ensemble ein weiteres Mal das begeistert klatschende Publikum.

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Unbestrittener Höhepunkt war aber die große D-Dur Messe von Antonin Dvorak. Für das italienische Publikum war diese Musik völlig ungewohnt und unbekannt. Die besondere Beziehung zum katholischen Ordinarium, das in der überwiegend katholischen italienischen Bevölkerung seit Jahrhunderten tief verwurzelt ist, war eine ideale Voraussetzung für die Rezeption dieser von so tiefer Frömmigkeit aber auch von musikalischem Reichtum geprägten Messe. Man konnte förmlich spüren, wie gerade die textintensiven Teile der Messe – etwa das Gloria oder das Credo – mit ihren dem Publikum wohlvertrauten Inhalten in der jeweiligen musikalischen Ausgestaltung durch Dvorak in der Zuhörerschaft größten Anklang fanden. Hier fand mehr als „nur ein Konzert statt“ – vielmehr war die spirituelle Seite dieser Musik gleichbedeutend neben den schönen Momenten der Klanggestaltung durch den Chor. Nach jedem Messesatz applaudierte das Publikum vor Begeisterung und spornte den Chor samt Dirigenten und Pianisten zu weiterer, nicht nachlassender Intensität an.

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Am Ende des Konzerts vereinten sich wieder beide Chöre zum abschließenden „Ave verum“ von Mozart, das genau zum Fest von „Fronleichnam“ – welches an diesem Tag gefeiert worden war – passen wollte. Standing ovations eines total begeisterten Publikums, unter dem sich auch eine stattliche Anzahl deutscher Touristen befand. Ein sehr schönes Kompliment kam von einem Stuttgarter Ehepaar: „Wir sind stolz auf diesen Chor und seinen Dirigenten, der die Landeshauptstadt heute Abend so herausragend in Italien repräsentiert hat. Danke für dieses wunderbare Konzert…“

Ein würdiges Schlusswort für eine überwältigende Konzert- und Kulturreise des Stuttgarter Oratorienchors im Sommer 2018.