Im Gespräch mit Dr. Jim Franklin – Teil 1

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Dr. Jim Franklin ist unser Solist auf der Shakuhachi-Flöte. Beim Passionskonzert am 9. April 2017 werden Sie diesen außergewöhnlichen Künstler erleben können. Vorab haben wir mit ihm über sein Instrument und das Requiem von Karl Jenkins gesprochen. Lesen Sie hier den 1. Teil des Interviews:

Dr. Jim Franklin
Foto: Volker Schneidereit

SOC: Guten Tag, Herr Dr. Franklin! Auf Ihrer Website Bambusherz erfährt man, dass Sie ein studierter Musikwissenschaftler und Komponist sind, ja sogar einen Doktortitel besitzen. Natürlich sind Ihnen Bauweise, Klang und Spielweise von sehr vielen Instrumenten, die in Europa oder anderen westlich orientierten Kulturen zum Einsatz kommen, vertraut. Die „Shakuhachi-Flöte“ ist in der abendländischen Musik jedoch unbekannt.

Wann sind Sie zum ersten Mal diesem Instrument begegnet und was hat Sie daran fasziniert?

JF: Aufnahmen des Instruments hörte ich während des Studiums (eben Komposition und Musikwissenschaft) in Sydney in den späten 1970er Jahren. Als Komponist fand ich faszinierend, dass das Grundrepertoire der Shakuhachi auf Klangfarbe als Strukturelement genauso sehr wie auf Tonhöhen basiert – eine andere Art von musikalischem Denken als das, was mir geläufig war.

SOC: Eine Shakuhachi sieht für einen Durchschnitts-Europäer auf den ersten Blick primitiv aus. Kann man jedes Bambusrohr für die Herstellung verwenden und wie lange braucht der Bau einer solchen Flöte?

JF: Die Schlichtheit täuscht. Nur eine spezifische, japanische Bambussorte (Madake) wird verwendet, und die Bearbeitung des Rohrs ist extremst aufwendig – sehr feine, langwierige Handarbeit. Das Rohr wird innen geschliffen, lackiert, geschliffen, lackiert – zehn- oder zwölfmal. Irgendwann erreicht es die passende Innengestalt, damit das Instrument richtig intoniert und ausgeglichen klingt. Der Bau eines guten Instruments kann Monate dauern, und das nach einer Lagerzeit des Bambusstückes von mehreren Jahren.

Logo (Tuschzeichnung) Shakuhachi mit Bambusblättern: © Doris Karner-Klett

SOC: Die Blockflöte ist hierzulande für viele Menschen der erste Kontakt zur Welt der Musikinstrumente. Auf ihr können schon im Kindesalter Töne geblasen werden, wenn man nur die Grifflöcher gut abdeckt und seinen Zungenstoß kontrolliert einsetzt. Wie wird im Vergleich dazu Shakuhachi gespielt?

JF: Man kann sich die Shakuhachi vielleicht als Blockflöte ohne Mundstück vorstellen. Statt Block und Luftschacht im Mundstück vorzufinden, bildet der Spieler sie mit Lippen, Kinn, Wangen, Zunge, Zähne… Diese Körperteile, die „Block“ und „Luftschacht“ ‚ersetzen‘, sind beweglich, daher erreicht man eine tiefe Feinfühligkeit der Klanggestaltung – subtile Schattierungen der Tonhöhen, Klangfarben, und Dynamik. Um das Instrument zu spielen, braucht man auch einen gewissen Körperbau (es gibt keine kleinen Sopranino-Shakuhachis…). Meistens kann man frühestens als Teenager damit anfangen.

Fortsetzung folgt…