Petite Messe solennelle im Sommer 2018

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Auf Einladung nach Italien führte der Stuttgarter Oratorienchor im Mai 2013 dort eines der bekanntesten kirchenmusikalischen Werke Gioachino Rossinis auf. Dem Stuttgarter Publikum wurde die legendäre Petite Messe solennelle schließlich am 21. Juli 2013 im damaligen Sommerkonzert in der Stiftskirche präsentiert.

Originalfassung oder Orchesterfassung?

Nach fünf Jahren – fast auf den Tag genau –  steht sie erneut auf unserem Konzertplan, diesmal im Eberhardsdom. Seit der Rückkehr von seiner Konzertreise an den Lago Maggiore hat sich der Chor intensiv mit der 1863 in Passay, einem Vorort von Paris, entstandenen Petite Messe solennelle auseinandergesetzt. Auch in unserem diesjährigen Sommerkonzert wird sie in der Originalfassung zu hören sein. Die einzige Änderung, die jeder bemerken wird, der diese Fassung kennt und aufmerksam das Konzertplakat gelesen hat, liegt in der instrumentalen Besetzung. Das Harmonium wird durch ein Akkordeon ersetzt, das durch entsprechende Registrierung einen sehr ähnlichen Klang erzeugen kann. Sie dürfen gespannt sein und sich auf das Konzert freuen, es wird original und doch anders sein!

Rossini selbst schien die Originalfassung gegenüber der Orchesterfassung bevorzugt zu haben. Er wurde von einigen Freunden regelrecht zu einer Orchesterversion gedrängt. Es dauerte bis zum Jahr 1867, bis er sie dann ausarbeitete. Dies geschah jedoch hauptsächlich, weil er vermeiden wollte, dass seine „kleine Komposition in die Hände“ von „Herrn Sax und seinen Freunden“ fiel. Er bestimmte zudem, dass sie erst nach seinem Tod mit Orchester aufgeführt werden durfte.

Meisterwerk eines gereiften Künstlers

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Gioachino Rossini (1792 – 1868) ist bekanntlich nicht als Sakralkomponist in die Musikgeschichte eingegangen. Es ist nicht zu glauben: Bereits als 37jähriger erklärte er sein musikalisches Schaffen auf dem Gebiet der Oper für beendet. Erst viele Jahre später – Rossini war inzwischen 70 Jahre alt – entstand die Petite Messe solennelle als letzte seiner „Sünden des Alters“, wie er seine späten Werke ironisch bezeichnete. Rossini schrieb in sein Manuskript neben die Schlusstakte des Agnus Dei :

Lieber Gott – voilà, nun ist diese arme kleine Messe beendet. Ist es wirklich heilige Musik (musique sacrée), die ich gemacht habe oder ist es vermaledeite Musik (sacrée musique)? Ich wurde für die Opera buffa geboren, das weißt du wohl! Wenig Wissen, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.

Wie diese eigentümliche Widmung zu verstehen ist, lässt sich nur vermuten. Rossini wusste aber um das Unverständnis, mit dem damals vor allem von deutscher Seite den meisten italienischen Kirchenkompositionen begegnet wurde:  Zu opernhaft, zu weltlich, zu sinnlich und damit dem ehrwürdigen Text gleichsam spottend. Eine Haltung, die nicht wahrhaben wollte, dass es auch eine andere Art von Kirchenmusik gibt, verwurzelt in anderer Tradition, deswegen aber nicht weniger ernsthaft als Musik zum Lobe Gottes gedacht.