Die Haydn-Frage der Woche Nr. 4

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Haydn hat im Laufe seines Lebens insgesamt 14 Messen komponiert. Seine erste (!) war die „Missa Cellensis in honorem Beatissimae Mariae“. Er begann mit ihrer Komposition im Jahr 1766, in dem er beim Fürsten Esterhazy erster Kapellmeister wurde und somit auch für die Kirchenmusik zuständig war. Natürlich stellt sich dann diese Frage:

Was ist denn das Besondere an der „Missa Cellensis?

Oder anders gefragt:

Wie lässt sich die „Missa Cellensis“ stilistisch einordnen?

Haydn wählte für seine Missa Cellensis – und nur für diese Messe – die Form der Kantaten-Messe. Bei diesem Messetypus werden die sechs Teile des Ordinariums wie in einer barocken Kantate in verschiedene Abschnitte unterteilt und als eigenständige Musiknummern in wechselnden Besetzungen und Tonarten aneinandergereiht. J.S. Bach hat dieses Verfahren z.B. in seiner h-Moll Messe angewandt. Durch Komponisten wie J.A. Hasse, Antonio Vivaldi, Antonio Caldara oder Florian L. Gaßmann war der Typus dieser Kantaten-Messe in Wien in der Zeit zwischen 1760 bis 1780 sehr verbreitet und dürfte Haydn bei der Konzeption seiner Missa Cellensis als Vorbild gedient haben.

In den einzelnen Sätzen seiner Komposition zeigt sich Haydn als souveräner Meister verschiedener Schreibstile, origineller Fortspinnungs- und Verarbeitungstechniken und polyphoner Satzkunst, aber auch schon als d e r klassische Komponist seiner Zeit. Gliederung, schöne Melodien, Ausdruckswechsel, sinfonische Kontrastbildungen etc. spielen vor allem in den „modernen“ Sätzen dieser Messe eine zukunftsweisende Rolle. Seine Musik verknüpft auf bewundernswerte Weise Elemente aus zwei Epochen. Gleichermaßen finden barocke Elemente in glanzvollen Fugen wie auch klassische Elemente in vokal-sinfonischen Sätzen mit differenzierter Dynamik ihren originellen Ausdruck.

Dass Haydn auch mit opernhaften Arien und Chorsätzen seine Messe mehr „profan“ als „sakral“ bereicherte, hatte manchen Kirchenvertreter zu kritischen Kommentaren veranlasst. Mit unerschütterlichem Humor entgegnete Haydn dann gerne, dass er … nichts dafür könne, dass Gott ihm ein so fröhliches Herz gegeben habe …