Kontraste – Cantate Domino im Wandel der Zeit.

Der Stuttgarter Oratorienchor bei der „Großen Stuttgarter Nachtmusik“

 

Aufführung am

Samstag, 11. September 2010, 20.00Uhr,  Stiftskirche Stuttgart

Rund um den Schillerplatz findet am 11. September 2010 die „Große Stuttgarter Nachtmusik“ im Rahmen der Landesausstellung „Freud und Leid in Dur und Moll. Musikkultur in Baden-Württemberg“ statt. Mit Werken aus vier Epochen trägt der Stuttgarter Oratorienchor zu diesem nächtlichen musikalischen Live-Erlebnis bei.

Programm:
Hans Leo Haßler (1564–1612): Cantate Domino
Heinrich Schütz (1585–1672): Verleih uns Frieden, SWV 372
Johann Sebastian Bach (1685–1750): Herr, unser Herrscher, BWV 1073
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Ave Maria, KV 554;
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Ave verum, KV 618
Bernhard Klein (1793–1832): Der Herr ist mein Hirte
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847): Hebe Deine Augen auf
Anton Bruckner (1824–1896): Locus iste
Hugo Distler (1908–1942): Wie der Hirsch schreit, op. 5/39
Arvo Pärt (*1935): Magnificat

Stuttgarter Oratorienchor unter der Leitung von Enrico Trummer

Das Werk Hans Leo Haßlers (1564–1612) entstand an der Wende der Renaissance zum Barock. Neben schlichter Homophonie in seinen Liedern entfalten vor allem seine mehrchörigen Werke bereits barocke Klangpracht. Die Motette „Cantate Domino“ aus „Sacri concentus“ (1601/1612) beruht auf Psalm 96: „Singt dem Herrn ein neues Lied und preist seinen Namen, denn er hat Wunder getan!“
Heinrich Schütz (1585–1672) gilt als der bedeutendste deutsche Komponist des Frühbarocks. Besonders bedeutend ist seine Vokalmusik mit deutschen geistlichen Texten, die bei Hofgottesdiensten ebenso aufgeführt wurden wie zur Unterhaltung bei der fürstlichen Tafel oder bei Hoffesten. Im Choral „Verleih uns Friede gnädiglich“ (1643) kommt die überwältigende Sehnsucht nach Frieden gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges klar zum Ausdruck.
Der vierstimmige Kanon „Herr, unser Herrscher“ (Psalm 8) von Johann Sebastian Bach (1685–1750) wurde im August 1713 zum ersten Mal aufgeführt. Er war Johann Gottfried Walther, einem entfernten Verwandten Bachs, gewidmet. Die Höhen der vier nacheinander einsetzenden Töne entsprechen den leeren Saiten der Bratsche.
Neben Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven zählt Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) zu den wichtigsten Komponisten der Wiener Klassik, die sich unterschiedlichste Kompositionsweisen und die Vereinigung verschiedener Stilrichtungen auszeichnet. Im Kanon „Ave Maria“ (1788, KV 554) fallen die über weite Strecken in parallelen Terzen geführten Stimmen auf. Der Kanon ist einer von drei geistlichen Kanons in Mozarts Werk. Die 1791 entstandene Motette „Ave verum“ (KV 618) ist weitgehend homophon und einfach gehalten und lebt von den Gegensätzen der Tongeschlechter Dur und Moll, Geschlossenheit und Spannung in der Melodik, Ruhe und Drängen in der Harmonik
Neben der romantischen Interpretation des 23. Psalms „Der Herr ist mein Hirte“ komponierte Bernhard Klein (1793–1832) Oratorien, weitere geistliche Werke, drei Opern, Lieder und Klaviermusik.
Das Oratorium „Elias“ (1846, op. 70) von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) erzählt die Geschichte des Propheten Elias aus dem Alten Testament. Im Terzett „Hebe deine Augen auf“ für Frauenstimmen aus dem zweiten Teil des Werks wird Elias in seinem verzweifelten Lebensüberdruss getröstet.
1869 komponierte Anton Bruckner (1824–1896) die vierstimmige Motette „Locus iste“ für die Einweihung der Votivkapelle des Neuen Doms in Linz. Der Text „Dieser Ort ist von Gott geschaffen …“ basiert auf der Urgeschichte der Tempelgründungen im Buch Genesis, die davon handelt, dass Jakob im Traum die Himmelsleiter mit den Engeln sieht und an diesem Ort einen Tempel baut.
Hugo Distler (1908–1942) gilt als der bedeutendste Vertreter der Erneuerungsbewegung der evangelischen Kirchenmusik nach 1920. Die dreistimmige Motette „Wie der Hirsch schreit“ (op. 5/39) aus dem Zyklus „Der Jahreskreis“ von 1933 bringt mit ihrem expressiven Satz die Ziele und Ideale dieser Bewegung zum Ausdruck.
Der estnische Komponist Arvo Pärt, geb. 1935, gehört zu den wichtigsten und gleichzeitig zu den populärsten Schöpfern spiritueller, geistlicher Musik der Gegenwart. In seinem 1989 entstandenen Magnificat brachte Pärt den in den 1970er-Jahren von ihm selbst entwickelten „Tintinnabuli“-Stil (lat. Glöckchen) zur Vollendung.