Stuttgarter Oratorienchor
Foto: Jens Hergesell
Der erste Dirigent und Mitbegründer des Chors war der aus Esslingen stammende Theologe und Musiker Immanuel Faißt. Er hatte im Rahmen seiner musikalischen Ausbildung in Berlin Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Arbeit, die Berliner Singakademie und die durch sie begründete Chortradition kennengelernt.
Unter Immanuel Faißt entwickelte sich der Verein für klassische Kirchenmusik zum führenden Chor in Südwestdeutschland. In rascher Folge wurden viele große Chorwerke einstudiert und häufig als Erstaufführungen für Stuttgart und den ganzen südwestdeutschen Raum dargeboten. Daneben pflegte der Chor die Werke zeitgenössischer Komponisten und brachte sie, teils als Uraufführungen, zu Gehör. Manche dieser Komponisten wurden schon frühzeitig gefördert durch den sogenannten Ehrensold anlässlich der Aufführung ihrer Werke. Zu den Nutznießern gehörte auch Johannes Brahms, der den Ehrensold für eine Aufführung seines Deutschen Requiems erhielt.
Die besondere Stellung des Chors im Musikleben Deutschlands verdeutlichen finanzielle Beiträge zur Errichtung des Denkmals für Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig 1869 und für das Johann-Sebastian-Bach-Denkmal in Eisenach 1870.
Auf Immanuel Faißt folgten ab 1891 mehrere Dirigenten in kürzerer Folge. Eine ähnlich gewichtige Rolle wie Immanuel Faißt spielte erst wieder Martin Hahn, der den Chor von 1923 bis 1977 leitete. Mit ihm gelang jeweils der Wiederaufbau nach beiden Weltkriegen. Dass der Chor seine bedeutende Stellung innerhalb der bunt und vielfältig gewordenen Chorlandschaft Stuttgarts behielt, ist nicht zuletzt Martin Hahn zu verdanken. Unter seiner Ägide entschieden sich die Sängerinnen und Sänger 1937 für den Namen, unter dem der Chor seither bekannt und beliebt ist: Stuttgarter Oratorienchor.
Von 1977 bis 1993 übernahm Ernst Leuze den Dirigentenstab und erschloss mit dem Chor neue Bereiche der Musikliteratur.
Seit 1995 leitet Enrico Trummer den Stuttgarter Oratorienchor. Die fruchtbare Zusammenarbeit von Dirigent und Ensemble zeigt sich unter anderem darin, dass der Chor nach wie vor als einer der führenden Laienchöre in Stuttgart gilt. Aufführung bekannter großer Werke der Kirchenmusik und der weltlichen Chorliteratur wechseln sich ab mit Darbietungen unbekannter musikalischer Kostbarkeiten vergangener Jahrhunderte und zeitgenössischer Chormusik.
In den letzten beiden Jahrzehnten hat der Chor seine Aktivitäten über die Landesgrenzen hinaus ausgedehnt. Mehrere Konzertreisen führten nach Frankreich, Italien, Israel und Polen. So hat der Chor u. a. in Lille, Paris, Toulouse, Ravenna, Jerusalem, Breslau, Perzénas, Krakau, Tschenstochau und Zielona Góra (Grünberg) mit anerkannten Solisten und Musikern vor Ort zusammengearbeitet und für seine Konzerte großen Beifall erhalten.
